Elternbesuche

Vor 15 Jahren habe ich das Dorf meiner Eltern verlassen, um zu studieren. Am Anfang verbrachte ich noch regelmäßig die Semesterferien zu Hause, irgendwann waren es nur noch ein paar Tage in den Ferien, mittlerweile nur noch alle paar Monate ein Wochenende.

Ich liebe meine Eltern über alles und ich würde sie für nichts auf dieser Welt hergeben. Aber jedes dieser Wochenenden macht mir wieder klar, wie sehr man sich über die Jahre voneinander entfernt hat. Für meine Mutter ist es nach wie vor unvorstellbar, dass ihre kleine Tochter „alleine klar kommt“. Und jetzt auch noch in dem großen Haus, wie soll denn das gehen. Die kleine Tochter, also ich, kommt aber sehr gut alleine klar. Wir haben es geschafft, unserem Bauträger und unserem Architekten zu erklären, wie unser Haus auszusehen hat und wir haben es geschafft, dieses Haus nach unseren Wünschen auszustatten. Beinahe enttäuscht waren alle beteiligten Eltern, dass wir nicht mehr gefragt haben. Trotzdem gibt es eine solide Finanzierung und ein tolles Haus. Aktuell stand wieder einer dieser Besuche an, dieses Mal waren meine Eltern bei uns. Dieser ungläubige Blick meiner Mutter. Das Haus ist sauber, aufgeräumt, komplett eingerichtet, durchdacht. Der Kühlschrank voll. Es gefällt ihr, dass sieht man. Aber so richtig glauben, dass wir das geschafft haben, kann sie nicht. In ihrer Vorstellung bin ich noch das kleine Mädchen, dass nicht alleine essen kann und in die Windeln macht. Immer wieder die guten Ratschläge, die ich meistens nur noch mit „Ja, Mama“ quittiere. Sie meint es gut, dass weiß ich. Mein Vater ist da nicht anders. Er traut mir nicht zu, dass ich einen Nagel in die Wand bekomme, Räume tapezieren und streichen kann und Lampen auswechsle.

Nur wann wird der Zeitpunkt kommen, an dem sie mich als Erwachsene sehen? Ich habe Abitur gemacht, studiert, promoviert, gearbeitet und trotzdem bin ich immer noch ihre kleine Tochter. Was muss ich noch tun?

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3 Antworten zu “Elternbesuche

  1. Gar nichts mehr.
    Das wird nämlich nichts mehr ;-).

    Wahrscheinlich muss man seine Eltern genau so hinnehmen, wie sie sind, es ist sooo unwahrscheinlich, dass Menschen sich ändern….zumal nicht in ihren späteren Jahren.

  2. Garnix machste da dran – Kind bleibt Kind egal wie alt es wird *g

    LG
    Mechthilda

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